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Mittwoch, 10. Februar 2010

Ich liebe das Gefühl
Dicht bei Dir zu liegen
Und die Ewigkeit verliert ihre Schrecken
Wenn sie sich so anfühlt
Wie das Gefühl
Ganz nah bei Dir zu liegen

Doch immer wieder
Hammerschläge
Und die Ewigkeit zeigt ihre Fratze
Weil es immer wieder kommt
Wie Glück und Schmerz
Ganz nah beieinander liegen

Wunderschön
Wie ein Lied von Geborgenheit und Hoffnung
Und grausam
Wie ein Elefant im Porzellanladen
Das Glück und der Schmerz
Ganz nah bei Dir zu liegen

Und beim Schlage kommt die Frage
Wie viele Schläge alles hält
Immer wieder auf die gleiche Stelle
Und der Hämm'rer hört das Knacken nicht
Wenn Glück und Schmerz
Ganz nah beieinander liegen

Shame on you
If you fool me once
Shame on me
If you fool me twice
Das Sprichwort hört auf zu zählen
Die Hammerschläge zählen weiter

Und es kommt die Angst
Dicht bei Dir zu liegen
Stetig lauschend ob das Dröhnen
Der Klang der Schläge
Wiederkommt
Denn die Hammerschläge zählen weiter

Ich vermisse Dich
Will bei Dir liegen
Aber Zweifel ob der Ewigkeit
Wenn sie sich so anfühlt
Weil Glück und Schmerz
Ganz nah beieinander liegen

Sie bleiben.

Sonntag, 7. Februar 2010

Er sah sie lange an. Er hatte seinen Kopf auf seine Arme gelegt und blähte immer wieder die Wangen auf, um dann stoßweise die Luft wieder herauszublasen. Das machte er frühmorgens öfter, wenn er müde war, und er intonierte damit leise für ich selbst aufmunternde Musikstücke – heute war es der Radetzky-Marsch. Sie war sicherlich auch sehr müde, denn ihr Kopf war ebenfalls nach vorne auf die Bank gesunken. Mit der linken Hand drehte sie einen Kugelschreiber vor ihren Augen hin und her. Es gefiel ihm. Was sie wohl dachte? „Diese Vorlesung findet viel zu früh am morgen statt“, sagte eine Stimme neben ihm, „und sie wird auch heute sicherlich wieder todlangweilig.“ Die Aussage war weder originell noch hilfreich: Genauso gut konnte man draußen vor der Tür in strömendem Regen erklären, dass Regen nass mache und das dies sicherlich auch jetzt wieder der Fall sein würde. Die Aussage kam von Andreas, der gerade in der Süddeutschen Zeitung eine Seite weiter blätterte und nicht aufsah. Thorsten sah wieder zu dem Mädchen hin, dem der Kugelschreiber inzwischen leid geworden war und die sich mit einem Radierer beschäftigte. „Ich habe gestern einen Fernsehbericht gesehen.“ schaltete sich eine weitere Stimme ein, sie gehörte Stefan. Aus unerfindlichen Gründen wartete er einige Sekunden, so als wolle er dem Satz Zeit geben sich zu setzen. „Darin hieß es, dass man zu Zeiten, zu denen der Körper zu schlafen gewohnt ist, keine Leistung beziehungsweise nur reduzierte Leistung bringen kann.“ fuhr er fort. Das glaubte Thorsten sofort. Sein Problem war nur, dass er seinen Körper in den letzten Wochen nicht ohne Mühe dazu erzogen hatte, möglichst bis in den Nachmittag hinein im Bett zu liegen. Es war teilweise harte Arbeit, nach zwölf Stunden Schlaf wieder ins Reich der Träume einzutauchen, aber er hatte es gemeistert. Natürlich nicht ohne den schönen Nebeneffekt zu genießen, dass der Schlaf dann nicht sehr tief war und man sehr viele und intensive Träume hatte. Das Mädchen hatte jetzt auch den Radierer weggelegt und die Augen geschlossen. Wie er fand, sah sie so besonders süß aus: Ihre Nase drückte sich an ihrem Arm ein wenig platt, eine Haarsträhne flog im Rhythmus ihres Atmens immer wieder auf und sank zurück. Thorsten fragte sich, wann er anfangen würde, von „Frauen“ statt von „Mädchen“ zu sprechen. Der Gedanke setzte sich in seinem Kopf fort, bis er zu einem einfachen Schluss kam. „Wenn ich das erste Mal ein wahnsinnig gut aussehendes Mädchen sehe und zu euch ´Seht mal die Frau da vorne!` sage“, teilte er das Ergebnis seinen Freunden mit, „dann erinnert mich daran, dass ich alt geworden bin.“ Ein Rascheln neben ihn, dass auf ein Niederlegen einer Zeitung hindeutete, zeigte an, dass dieser Satz noch kontext- und sinnloser gewesen war, als normale frühmorgendliche Kommentare. Aber Andreas verkniff sich eine Antwort und widmete sich wieder seiner Lektüre. „Guten Morgen!“ rief Olaf fröhlich und setzte sich zu ihnen. Thorsten sah zu ihm hin und stimme in das allgemeine Gemurmel ein, dass so etwas wie „Gleichfalls“ ausdrücken sollte. Ein gut gelaunter Freund am frühen Morgen, der Alptraum jedes müden Studenten. Auch Paul kam und setzte sich, aber er schwieg. Auf ihn konnte man sich verlassen: Er wäre ebenfalls lieber noch im Bett und versprühte keinerlei ansteckende Heiterkeit. „Was lernen wir heute?“ fragte er. „Ich denke, wir machen freie viskos gedämpfte Schwingungen. Logarithmisches Dekrement und solchen Quark.“ antwortete Stefan. Alle hielten für kurze Zeit anerkennend den Atem an. „Klingt wichtig.“ brummte Andreas mit einem Zynismus, der sicherlich alle Optimisten in einem größeren Umkreis getötet hatte. Es wurde für eine Weile still. Thorsten widmete sich wieder dem Mädchen, dass sich inzwischen aufgesetzt hatte und mit seiner Nachbarin sprach. Du kannst Dich ruhig wieder hinlegen, dachte Thorsten. Oder herschauen, schob er still für sich hinterher, so als hätte er Angst, er könne sich selbst bei diesem Gedanken ertappen. Er seufzte. „Wenn ihr ein Possessivpronomen eurer Wahl sein könntet“, fragte er und setzte sich auf, „für welches würdet ihr euch dann entscheiden?“ Zu einer Antwort kam es nicht: Die Tür flog auf und der Professor trat ein. „Es war ja nur eine Frage“ sagte Thorsten, sank vornüber und sah wieder auf das Mädchen, fest entschlossen, wenigstens für diese Vorlesung keinen Blick mehr von ihr zu lassen.

Samstag, 9. Januar 2010



Although I want to
I cannot cry
my soul is numbed
as is my body
I am unable to feel
myself anymore
I lost myself
in the desire
I feel for you
too late recognizing
it is not the same
we talk about
that we do not feel
in the same way
about each other
I am lost somewhere
between you and me,
dark and light,
heaven and hell.
**
The sun is setting,
light is fading
as is my soul.
**
You left me dead,
you disemboweled me,
and left me lying in the dirt.
**
You trempled on my empty body,
you whiped my empty shell.
**
I cannot scream
I cannot cry
I cannot even say 'good bye'
**
There is just one thing I can do:
And that is
Die

EVÖ: 21.10.2008
Ich bezeichne mich selber gerne als Chaos Queen. Auch heute noch, obwohl es vor ein paar Jahren um einiges schlimmer war. Hier mal eine kleine Episode aus meinem täglichen Lebenschaos:
Mein Gott war ich froh als ich diese Schuhe entdecke. Es war genau so wie es sein sollte: Rein in den Laden, Schuhe gesehen, anprobiert, gekauft. Schöne lila-blaue Schuhe von Aces London. Sie sind sehr bequem und ich kann toll darin laufen. Wie dem auch sei, nach zwei Wochen fiel mir auf, dass sich die Sohle vom Rest des rechten Schuhs löste. Zum Glück hatte ich noch den Kassenzettel (Improvement Number 1: vor ein paar Jahren hätte ich den garantiert nicht mehr gefunden). Also nahm ich mir vor morgens noch früher aufzustehen und die Schuhe zu reklamieren – das brauchte eine Woche genaue Planung, immerhin musste ich mir überlegen was ich in welche Reihenfolge an dem Tag machen wollte. An dem besagten Tag krümelte ich mich also gegen 7.30 Uhr aus dem Bett, duschte, frühstückte und legte meine Schuhe in einer Tüte neben die Tür. Um den Bus noch zu bekommen, musste ich mich ein wenig beeilen. Unten erinnerte ich mich dann daran, dass ich den Müll oben vergessen hatte…aber der konnte auch noch warten; hauptsache ich hatte bald wieder bequeme Schuhe. Der Bus kam, ich rein in den Bus – und nach der zweiten Bushaltestelle ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen: ich hatte die Schuhe in meiner Wohnung liegen lassen (Improvement Number 2: früher wäre mir das erst im Laden aufgefallen). Ich also raus aus dem Bus, zu Fuß nach Hause, hoch in den 4. Stock gejagt und mir die Schuhe gekrallt. Ach ja, und den Müll natürlich auch. Wieder runter, ab in den Hof und die Tüte in den gelben Container geworfen – leider war es die falsche Tüte (Improvement Number 3: in der Vergangenheit hätte ich mit der Tüte Müll im Schuhladen gestanden). Und wie es das Schicksal so wollte war der Container am Vortag geleert worden, so dass meine geliebten Schuhe ganz unten lagen. Ich hatte mehr Glück als Verstand, dass der Container nicht auf mich rauf gefallen ist, als ich mit Beinen in der Luft und dem Oberkörper im Container hängend nach meinen Schuhen fischte – hoffentlich hat mich keiner gesehen, muss ziemlich komisch ausgesehen haben. Von da an tauchten keine weiteren Probleme auf – rein in den Bus, raus aus dem Bus, rein in den Laden, Schuhe abgegeben (wurden zum Schuster gebracht), wieder raus aus dem Laden…als Abholschein sollte ich den Kassenzettel wieder mitbringen, den ich mir pflichtbewusst an meinen Kühlschrank magnetierte. Ein paar Tage später wollte ich die Schuhe abholen. Als ich schon im Laden stand – ihr habt es bestimmt schon erraten – fiel es mir abermals wie Schuppen von den Augen: der Kassenzettel aka Abholschein magnetierte noch immer an meinem Kühlschrank. Die nette Verkäuferin weigerte sich standhaft mir meine geklebten Schuhe ohne Abholschein auszuhändigen – und das obwohl ich ihr die Schuhe genau hätte beschreiben können…also ich wieder nach Hause, hoch in den 4. Stock, den Abholschein vom Kühlschrank gerissen und wieder zum Schuhladen (ein Weg dauert ca. 15 Minuten). Die nette Verkäuferin hat auf den ach so wichtigen Abholschein einen Miniblick geworfen, ist dann nach hinten gegangen und ewig nicht wiedergekommen. Sie hat mit ihren Kolleginnen im Lager bestimmt noch Kaffe getrunken und Kuchen gegessen. Ich hatte mich gerade entschieden ihr hinterher zu gehen und sie anzukeifen, dass ich auch noch andere Sachen zu tun hätte als darauf zu warten, dass sie endlich mal das tut, wofür sie bezahlt wird, als sie in Zeitlupentempo auf mich zukam – aber immerhin hatte sie meine geliebten Schuhe dabei…jetzt kann ich wieder mit meinen blau-lila Schuhen durch mein Chaosleben gehen…
Nebenbei: die Vorgänger waren rot – und nach 3 Jahren so ausgelatscht und kaputt, dass ich mir neue Schuhe leistete (eben die besagten lila-blauen) – meine Mutter hatte mir allerdings verboten die roten im Garten zu beerdigen…ich trauere noch immer.

EVÖ: 15.09.2008
Es steht gerade kritisch um mich - und zwar verdammt kritisch!!! In regelmäßigen Abständen bekomme ich ein bestimmtes Gefühl; dieses Gefühl ist verbunden mit kleinen Stimmen in meinem Kopf. Und diese Stimmen sagen mir: "Weg, nur weg hier...ohne jemandem Bescheid zu sagen...einfach abhauen...Sachen packen, rein in einen Zug und auf nimmer wieder sehen verschwinden..." Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt - ein bisschen jedenfalls. Viel weiter als bis zu der Überlegung, welche Sachen ich mitnehme, bin ich noch nicht gekommen... Jetzt habe ich aber schon den umständlich versteckten Trekkingrucksack aus dem Versteck geholt...und der schaut mich jetzt an...und die Stimmen brabbeln trotz nebenbei laufendem Tatort weiter...

Wo will ich hin? Dänemark - Dänemark wäre schön. Da sind wir oft hingefahren als ich noch klein war und unsere Familie noch eine Familie a la Vater, Mutter, 2 Kinder waren. Ich habe oft auf meinem Bett gestanden, aus dem Fenster geschaut wenn es schon/noch dunkel war und dem Leuchtturm zugeschaut - dabei habe ich meine kleinen Hände an die kalte Scheibe gedrückt...meist sind wir im Herbst gefahren. Die langen Spaziergänge am Strand mit Mama, Papa und meiner kleinen Schwester - wie sehr ich das vermisse. Manchmal würde ich am liebsten aufhören zu reden, einfach mal die Klappe halten...und das obwohl ich gerne rede...
Ich verstecke jetzt lieber den Rucksack wieder, sonst gewinnen die Stimmen...

EVÖ: 2008

Sonntag, 3. Januar 2010

„Letztes Spiel?“ frage ich. Meine Mitspielerinnen nicken. Sofort schweifen meine Gedanken ab, als ich meinen Zug durch das Ablegen einer Zwölf beende. Sie drehen sich nicht um die vergangenen Tage, nicht um das vergangene Jahr, nicht um die bevorstehende Rückreise oder um die Planungen für die nächsten Wochen. Sie drehen sich auch nicht um die aktuellen Nachrichten, seien sie nun Wirtschaftskrise, Terrorismus, Krieg oder Steuerentlastungen. Ich denke auch nicht an eine bestimmte Person oder bestimmte Personen, nicht an einen Film, nicht an ein Buch, nicht an eine schöne Landschaft. In dem Moment, in dem ich meine Gedanken nicht mehr fest auf eine Sache konzentriere, beginnen sie einfach, davonzulaufen. Ohne Ziel, ohne Zwischenhalt, abwärts. Wie ein Felsbrocken, der auf der Spitze eines Berges ins Rollen kommt und unaufhaltsam hinabstrebt, auf eine Schlucht zu, die keinen Boden hat. Wie ein Raumschiff, das sich im Gravitationsfeld eines schwarzen Lochs verfangen hat und unaufhaltsam ins Nichts gezogen wird. Ich bin der Kommandant des Raumschiffs, ich kämpfe gegen den Sog an, doch mehr und mehr geht mir der Treibstoff aus. Das Ende ist nah.

„Du bist dran.“ ertönt es neben mir. Ich fange mich wieder und schaue auf den Tisch. Ein paar Karten sind hinzugekommen, doch für mich hat sich nichts an der Situation geändert. Ich ziehe eine weitere Zwölf, die ich nicht gebrauchen kann und lege sie gleich wieder ab.

Sofort ist das schwarze Loch wieder da und reißt an meinen Gedanken. Warum kämpfe ich überhaupt dagegen an? Eine Kapitulation bringt Ruhe und Frieden, eine Abkürzung ins Glück. Es war einfach zu viel in den letzten Tagen, die Anstrengungen fordern ihren Tribut. Es war nicht körperlich anstrengend, sondern sozial anstrengend. Nicht, dass ich nicht gerne mit Menschen zusammen wäre, aber ich brauche einen Rückzugsraum. Ein paar Stunden Frieden, in denen ich machen kann, was ich will, ohne Erklärung, ohne Nachfrage. Ohne Kommentar. Das muss nicht jeden Tag sein. Einmal in der Woche reicht. Aber nach zwei Wochen sind meine Kraftreserven einfach erschöpft. Es fängt ganz langsam an: Ich rede weniger. Meine Antworten werden kürzer. Sie werden auch leiser und gehen irgendwann in ein Brummen über. Ich werde denkfaul: Was Nachdenken erfordert, erscheint plötzlich besonders unattraktiv. Ich sehe mich nach einem niveaulosen Film, den ich gemeinsam mit einer Flasche Bier im halbdunklen Zimmer ansehen kann. Nach einem Donald-Duck-Comic auf der Toilette. Oder nach einem Gruselhörspiel-Marathon, den ich von abends acht bis mittags vierzehn Uhr im Bett absolviere.

Kurz gesagt: Ich bin oversocialized. Es war einfach zu viel. Nein, nicht zu viel: Es war einfach zu wenig. Zu wenig Einsamkeit. Oder auch Zweisamkeit. Auf jeden Fall nicht Drei- oder Mehrsamkeit. Es spielt auch keine Rolle, dass die Leute um mich herum alle nett sind und wir Spaß haben – völlig egal. Einfach nur Ruhe.

„Du bist dran.“ ertönt es wieder neben mir. Ich ziehe eine Karte und tatsächlich: Jetzt kann ich die Karten auf dem Tisch so anordnen, dass eine meiner Mitspielerinnen diese Runde, spätestens nächste Runde fertig werden müsste. Nur auffallen sollte die Manipulation nicht.
Liebe Besucher,

bald werden hier Texte von uns zu finden sein!

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